Junges Pferd – Wie baue ich Kraft und Ausdauer in der Hinterhand sinnvoll auf?

Stefanie Frage: Ich habe eine 6-jährige Stute übernommen, die sehr lieb im Umgang ist. Leider wurde sie seit gut einem Dreivierteljahr nicht mehr gearbeitet. Zuvor wurde sie durch eine Bereiterin auf, ich möchte es “halbes” A Niveau nennen, gebracht. Davon ist nichts mehr zu sehen und zu spüren.

Doreen latscht schon im Schritt vor sich hin und aktiviert die Hinterhand nicht. Sie schläft fast ein. Man treibt sich förmlich einen Wolf. Sie entzieht sich, indem sie den Kopf hebt und den Rücken wegdrückt, die treibenden Hilfen kommen nicht durch! Stellen hingegen lässt sie sich gut, nur mit der Biegung ist das noch problematisch, da sie die Schenkelhilfen nicht annimmt (ich reite ohne Sporen). Sie drängt auch immer von der Bande weg in die Mitte. Im Galopp springt sie falsch an und beim Handwechsel im Trab kommt sie auch schon mal aus dem Tritt.

Es ist nicht so, dass sie nicht WILL – sie dreht die Ohren immer zu mir und ist aufmerksam. Sie KANN offenbar zur Zeit noch nicht so recht, denn es fehlt ihr an Kraft und Ausdauer.

Ich muss dazu sagen, dass sie bisher – wenn überhaupt – wie folgt geritten wurde: hinten mit der Gerte drauf hauen und vorne die Zügel schön straff ziehen und riegeln, was das Zeug hält. Beides lehne ich von Haus aus ab und will sie jetzt behutsam wieder aufbauen.

Meine ersten Gedanken dazu sind folgende:
1) täglich longieren, um sie erst mal wieder zum Laufen zu bekommen. Würdest Du hier eher einen Kappzaum oder die Trense verwenden? Dreieckszügel, Ausbinder? Kennst Du den “Po-Wickel” zur Aktivierung der Hinterhand, was hälst du davon?
2) Cavaletti-Arbeit, auch an der Longe, um die Taktsicherheit zu erhöhen
3) Bodenarbeit, um die Basics zu lernen oder zu reaktivieren
4) Ausritte im Schritt für bessere Kondition und Trittsicherheit

Ich wäre Dir sehr dankbar, wenn Du mir A) zu meinen grundlegenden Ideen sagen könntest, ob das ein guter Ansatz ist und B) vielleicht noch ein paar Tips zu diesen Punkten oder auch ganz andere Anregungen hättest.

Es sind viele Fragen, ich weiß. Ich bin selbst ein wenig überwältigt von dem Berg Arbeit, der sich da gerade auftürmt. Dennoch ist dies eine tolle Gelegenheit, dieses Pferd richtig aufzubauen.

Tuulis Antwort: Liebe Stefanie, Danke für Deine ausführliche Frage. Bitte als allererstes und ganz dringend den An-Aus-Schalter mit Deiner Stute erarbeiten – am Boden (Videoreport 4, Teil 3, also 3. Film) und im Sattel (Videoreport 5, wird für Dich in ca. 2 Wochen freigeschaltet). Beschäftige Dich einige Tage konsequent damit, dann wirst Du merken, dass Deine Stute darauf eingeht und es selbstverständlich für sie wird, Dir mit 100% Energie zu antworten. Na klar wirst Du es nicht überteiben, sondern in kurzen Reprisen arbeiten, damit sie auch Kraft genug hat, um mit 100% Energie antworten zu können.

Das ist wirklich wichtig, denn solange Du den “Go” nicht bekommst, kannst Du kein Pferd von hinten nach vorne reiten und es korrekt ausbilden. Denke an die Eskalationsstufen, wenn Du den An-Aus-Schalter im Sattel mit ihr erarbeitest:

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Stefanie hat die Tipps bereits mit Erfolg in die Tat umgesetzt. Weiter so, Stefanie!

Stefanie schreibt nach einigen Tagen: “Hallo Tuuli, ich wollte Dich nur kurz über den aktuellen Stand mit meiner Doreen informieren. Ich habe letzte Woche mit ihr den An-/Ausschalter am Boden ausprobiert – auf ihrer Schokoladenseite hat das natürlich besser geklappt als auf der ungeliebten. Am nächsten Tag bin ich eine lockere Trainingseinheit mit ihr geritten und siehe da: ich brauchte mich nur etwas gerader zu machen und die Körperspannung erhöhen und schon legte sie zu, was man bei ihren großen Bewegungen am besten im Trab merkte. Sie ist ja mit ihren 1,78 cm Stockmaß nicht gerade wenig Pferd J; das muss man auch erst einmal in Schwung bekommen.

Gestern hatten wir dann Unterricht (das erste Mal auf dem Außenplatz, mit viel Ablenkung) und meine RL meinte, wir hätten in dieser einen Woche zwischen den Unterrichtsstunden schon einen großen Schritt nach vorn gemacht. Doreen beginnt schon, auf immer feinere Hilfen zu reagieren. Natürlich muss man einem so großen und ungeübten Pferd etwas mehr Zeit lassen, sich auszubalancieren und Neues zu erfassen. Besonders im Galopp auf der rechten Hand versucht sie noch, durch mehr Tempo das Gleichgewicht zu halten. Sie hat aber ein gutes Potential, da ihre Gänge raumgreifend und schwungvoll sind und sie sehr gern mitarbeitet. Ich freue mich auf den Weg mit ihr – und Dir.

Alles in Allem kann ich nur sagen: DANKE DANKE DANKE für Deine tollen Tips. Die Leute im Stall können es kaum glauben, dass ich Doreen so schnell „in den Griff“ bekommen habe und nicht einmal die Gerte oder Sporen dazu brauchte.Ich lächle dann nur und flöte „TT – Eins denken, Eins sein“ J

 

Liebe Stefanie, großartig! Freut mich sehr, dass Du es so toll umgesetzt hast! Weiter so!!
Bisher haben es alle Pferde sehr gut angenommen! Liebe Grüße, Tuuli
PS: Flöte fröhlich weiter, find ich natürlich super! :-)