Ausbildung – mein Pferd bietet mir immer wieder alles mögliche an – nur nicht das, was ich grad möchte. Was kann ich tun?

Paulas Frage: Ich habe einen jungen Frederiksborger-Wallach namens Sandro, nächste Woche wird er 5 Jahre alt. Er ist seit Oktober letzten Jahres angeritten und seit ca. 3 Monaten 1-2 Mal pro Woche auch in der Bahn unterm Sattel. Davor waren wir nur am langen Zügel im Gelände und haben 1 Jahr lang viel an der Hand vorbereitet.

Sandro ist ein kleiner Streber. Er will immer alles perfekt und am Besten noch besser machen. Gerade bei solchen Sachen wie zirzensischen Lektionen oder der Handarbeit ist das wirklich toll! Aber jetzt, wo wir auch im Sattel unterwegs sind, bereitet es mir doch manchmal Probleme. Er nimmt mir dann die Hilfen vorweg, wartet nicht bis ich die Hilfen wirklich gebe. Z.B. haben wir geübt im Vorwärts-abwärts das Tempo zu variieren und damit es ihm leichter fällt (er kennt die Hilfen ja noch nicht so gut), habe ich ihn immer an bestimmten Punkten zu mehr vorwärts aufgefordert oder ihn eben wieder zurückgeholt. Ich habe drauf geachtet, dass ich es nicht jedes Mal an genau der selben Stelle mache. Aber ich habe mir an den Zirkelpunkten eben so eine Art “Anker” gesetzt, bei dem etwas passieren kann, aber nicht muss. Naja und nach ein paar Runden hatte er begriffen, dass es eben diese Anker gibt und ist einfach mal an jedem dieser Punkte langsamer geworden um zu gucken ob nicht gleich was passiert.
Anderes Beispiel: Seit Neustem wird er immer bis zum Schleichschritt langsam, wenn ich die Zügel aufnehme. Er wartet richtig, dass ich ihn zu was Neuem auffordere. Und wenn ich dann vorwärts treibe und die Beine etwas mehr ans Pferd nehme oder mit der Hüfte ihn zum Vorwärts auffordere, dann bietet er mit die verschiedensten Sachen an: VH/HH nach innen/außen, seitwärts, stehen… nur keinen ordentlichen Schritt geradeaus! Die Sache habe ich jetzt erstmal so gelöst, dass ich ihn im Schritt gar nicht mehr aufnehme, sondern nur noch am hingegebenen oder mit einer gaaanz leichten Verbindung reite. Da er eh keine so schönen GGA wie ein deutsches Sportpferd hat, ist der Takterhalt für mich das oberste Ziel.
Und noch eine dritte Sache: Durchparieren! Da habe ich es am Anfang gut gemeint und ihn nur am langen Zügel geritten um das Reiten aus dem Sitz zu üben. Klappt auch ganz gut. In dem Zusammenhang habe ich auch das Anhalten über den Sitz geübt und auch das klappt. Ja, aber wenn ich jetzt aus dem Trab durchparieren will und nur eine klitzekleine Parade gebe und mich im Sattel aufrichte (= ich beginne eigentlich gerade erst – zum Ausatmen und Hilfen geben komme ich gar nicht), dann sind wir schon im Schritt, z.T. Stehen wir dann auch. Eigentlich ja ganz nett, wenn ich nicht “am Zügel ziehen” muss um durchzuparieren. Nur komme ich nicht dazu, ihn in die Hand zu treiben und die HH geht mir flöten.
Ich will ihn aber auch nicht bestrafen, weil ich ihn gerade jetzt zu Beginn nicht demotivieren will. Er hat ja zum Glück Freude an der Arbeit. Und wenn ich dann dreimal gesagt habe “Nein wir wollten jetzt aber was anderes machen” dann ist auch wieder gut und er geht im Rahmen seiner Möglichkeiten fleißig vorwärts. Aber sobald ich irgendwas verlange, ist er wieder in “Hab-Acht-Stellung”. Nicht nervös oder hibbelig, das überhaupt nicht. Aber jederzeit bereit, mir die nächste Übung von den Augen bzw. vom Körper abzulesen.
Naja ich bin etwas ratlos. In gut 80% der Fälle habe ich auch eine Trainerin dabei, wenn ich reite. Aber die kann mir damit nicht so richtig helfen. Im Moment versuchen wir erstmal vor Allem, den Takt zu erhalten und umschiffen solche Situationen. Allerdigs frage ich mich, ob ihm das nicht u.U. zu langweilig wird. Ich mache jetzt seit dem auch wieder viel vom Boden. An der Hand kennt er auch das ruhige, entspannte, abwartende Stehen. Also “Abwarten” ist kein Fremdwort für ihn. Aber da klappt alles wie am Schnürchen. Wenn ich reite, dann arbeite ich jetzt immer viel mit Stangen und Cavalettis um die HH aktiv zu halten und ihm takterhaltende und taktfördernde Aufgaben zu geben.

Wie gehst du mit solchen Kandidaten um? Hast du Übungen, die ihm beibringen, dass er einfach mal “nur” vorwärts gehen soll, möglicherweise an der Hand?
Oder sagst du: “Abwarten und freundlich aber bestimmt weitermachen und dann auch solange das verlangen, was man will (= geradeaus vorwärts mit aktiver HH) bis er es auch macht. Er lernt schon noch, die Hilfen zu unterscheiden und dann auch prompt und richtig darauf zu reagieren und nicht einfach irgendwie! Aber ein solcher Lernprozess braucht auch Zeit.”
Er will ja Neues lernen. Aber wenn er die Sachen dann nicht richtig macht und z.B. der Takt verloren geht, dann habe ich ja nichts gekonnt, oder?

Tuulis Antwort: Das, liebe Paula, ist ein ganz typisches Verhalten für ein junges Pferd. Ich findes es toll, dass Du an der Hand schon so viel vorbereitet hast – das sind ja die wesentlichen Dinge, über die Du Dich mit Deinem Pferd verständigen können musst, bevor es mit der gymnastischen Dressurarbeit losgehen kann. Im Grunde genommen, muss Dein Pferd das jetzt nur unterscheiden lernen – und das wird leider nicht von selbst kommen. Harry war auch sehr ähnlich – und im Moment arbeite ich mit einer jungen PRE-Stute, die meistens zuhört, aber auch mal Tage hat, an denen sie am liebsten alles gleichzeitig anbieten möchte. So gehe ich damit um:

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